„Was erlaube Bsirske?“ Streik trotz Flüchtlingskrise? Ja!

Am 28./29.09. gehen die Verhandlungen zu den Tarifabschlüssen der Beschäftigten des Sozial-und Erziehungsdienstes (viell mehr als „nur“ Kita) weiter.

Kommt es zu keiner Einigung könnte der Streik fortgesetzte werden. Fortgesetzt? Genau. Denn der Streik war nicht beendet, sondern pausiert. Der Arbeitskampf war im Sinne der Friedenspflicht niedergelegt. Eine Wiederaufnahme ist also möglich wenn sich die Arbeitgeberverbände nicht endlich bewegen.

Wer meine vorherigen Einträge verfolgt hat weiß um den langwierigen Prozess, den dies bereits vor sich her schob: Verhandlungen, die keine waren und „Angebote“ die nicht mehr waren ein als feuchter Händedruck und eine Klatsche ins Gesicht der Angestellten.

Aber, aber, aber… die Flüchtlingskrise!

Mich erreichten über Twitter sehr kritische Stimmen zum Thema Streikaufruf während der derzeitigen Notlage der Kommunen aufgrund des großen Ansturms an Flüchtlingen. „Ich hatte gehofft, dass gerade ihr mit gutem Bespiel voran geht“ hieß es unter anderem.

Dazu möchte ich kurz was sagen:

  • Auch Menschen in sozialen Berufen müssen Rechnungen bezahlen. Mit Geld. Da hilft kein Händedruck, kein Schulterklopfen und kein Danke. Wenn ich meine Miete nicht bezahlen kann, sitze ich auf der Straße.
  • Nur weil man sich dazu entscheidet einen sozialen Beruf zu ergreifen, heißt das nicht, dass man Mutter Theresa wird. Ich mache meinen Job weil ich ihn gut kann und weil ich damit Menschen helfe. Dafür will ich mich aber wie jeder andere Arbeitnehmer auch angemessen bezahlen lassen  – keine Pointe.

Sozial heißt hilfsbereit, gemeinnützig. Es heißt nicht: „Du hast dir so einen Beruf ausgesucht, jetzt musst du bitte bei allem der/die erste sein der sein/ihr letztes Hemd gibt.“ Es heißt ebenfalls nicht: „Wenn etwas schlimmes passiert, musst Du der/die erste sein der/die mithilft, auch nachts, oder am Wochenende, oder bei Regen oder Schnee. Am besten unbezahlt. Für immer. Für dein Gewissen, denn Du bist ja Sozialarbeiter.“

Davon aber ganz ab möchte ich darauf hinweisen, dass die Flüchtlingskrise (ich mag den Begriff nicht) natürlich schon lange bei den sozialen Berufen angekommen ist. Sozialdienste sind unter anderem zuständig für die Versorgung und Unterbringung minderjähriger und allein reisender Kinder aus den Flüchtlingsgebieten. Immer mehr Kinder kommen ohne ihre Eltern oder andere Familienmitglieder an oder sie sind die einzigen die es geschafft haben lebend anzukommen. Es sind die Sozialarbeiter die sich um diese Kinder und Jugendlichen kümmern, die zusehen, dass sie eine Einrichtung finden, die sie aufnehmen – denn in den Erstaufnahmeeinrichtungen dürfen sie nicht bleiben. Also fahren die Kolleginnen und Kollegen nachts und auch am Wochenende raus und besuchen Heime und Pflegefamilien und versuchen so, schnellstmöglich ein warmes Bett für die ankommenden Kinder/Jugendliche zu finden.

Das machen sie zusätzlich zu ihrer „normalen“ Arbeit im Büro, denn eine Stelle oder eine Abteilung die sich ausschließlich mit der Unterbringung der Flüchtlinge kümmert, gibt es nicht. Personaleinsparungen an allen Fronten.

Ein Streik dieser Kräfte zeigt nur, wie sehr die Arbeitgeberverbände bisher gespart haben und das diese Jobs und Stellen wichtig sind – nicht nur für die Arbeit mit Flüchtlingen, sondern auch im eigentlichen Kontext, mit Familien, Behinderten, Abhängigen, Kindern, Pflegefamilien usw.

Deswegen ist es besonders wichtig, dass „gerade sie sozialen Berufe“ endlich zeigen, dass es so nicht weiter gehen kann, sondern dass sie für ihre Arbeit auch angemessen bezahlt und anerkannt werden.

Ein Streik zu diesem Zeitpunkt ist genauso verteufelt wie ein Streik zu jedem anderen Zeitpunkt, wie man schon bei der Arbeitsniederlegung im Mai gesehen hat. Ob Ferien oder nicht. Ob Flüchtlingszustrom oder nicht. Der Streik würde für alle nie zu einem Zeitpunkt kommen, an dem er „passen“ würde. Das müssen die Arbeitgeber aber spüren und nicht die Streikenden.

Ich verweise nochmals darauf, dass jeder seinen Unmut gerne äußern kann, aber bitte an der Stelle, die sich seit Monaten weigert sich auch nur minimalst zu bewegen: der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände.

P.S.: Natürlich wird es, wie auch schon in der Vergangenheit, Notdienste geben sodass weiter Hilfe gewährleistet ist.