Eltern – brace yourselves: der Streik geht vielleicht weiter! 

 Wie jetzt nochmal streik? Was soll das denn jetzt schon wieder?

 

Was bisher geschah

Mai 2015:

– Die Gewerkschaft Verdi mit der GEW gemeinsam zum Streik auf.

– Die Kampagne „Soziale Berufe aufwerten“ umfasst alle Berufe im Sozial und Erziehungsdienst. NICHT nur Kitas.

– Die Medien nahmen die Kitas als Aufhänger, weil die Lobby (Eltern) groß ist und somit viele Betrifft.

– Aber auch Beratungsstellen für Schwangere/Schwangerschaftskonflikte, Integrationsberatung, Suchtkranke, Psychischkranke, Behinderte, Jugendämter, Pflegerkinder-Dienst, Adoptionsvermittlung waren zum Teil nur mit Notdiensten oder gar nicht besetzt. Die Berufsgruppen sind ebenso vielfältig: Erzieherinnen/ Erzieher, Pädagoginnen/Pädagogen, Heilerziehungspflegerinnern/Heilerziehungspfleger, Sozialarbeiterinnen/Sozialarbeiter, Heilpädagoginnen/Heilpädagogen und noch weitere mehr.

– Insgesamt sind in Deutschland 240.000 Arbeitsplätze betroffen.

– Das fand nur sehr wenig Anklang, denn die Lobby für diese Betroffenen ist nur klein. Trotzdem ist das eine wichtige und ebenso anstrengende und psychisch stark belastende Arbeit, die zum Großteil von Frauen gemacht wird!

Mai-Juni 2015:

– Der Streik wurde unbefristet. Das heißt aber nicht, dass die Streikenden einfach zu Hause bleiben können. An jedem Streiktag haben alle Streikenden Aktionen durchzuführen. Ob sie sich nun mit Bannern vor ein Dienstgebäude positionieren oder zu einer landesweiten Demo fahren, man ist immer in Aktion.

– Nach vielen Verhandlungsrunden zieht die Arbeitgeberseite die „Schlichtungs-Karte“

– Dies war vorher sowohl von den Arbeitgebern als auch von Verdi bislang abgelehnt worden, weil man sich sicher war, dass eine Einigung zustande kam.

– Die Angebote der Verbände der kommunalen Arbeitgeber waren aber bis dato so lächerlich und unverschämt (!), dass Verdi weiter verhandeln wollte 

Ein Beispiel: Für circa 4 der über 10 Berufsgruppen sollte es knapp über 30 Euro im Monat mehr geben, brutto – das heißt, nach Steuerabzügen blieb davon nicht mal eine Tankfüllung übrig!

– Die Arbeitgeber sagen offen, dass sie den Streik „aussitzen“ wollen, weil sie wissen, dass die Angestellten Skrupel haben ihre Einrichtungen lange allein zu lassen – das ist menschlich einfach unter aller Würde und hinterhältig von den Arbeitgebern!

– Die Schlichtung wird eingeleitet. Damit ist der Streik im Sinne der sogenannten „Friedenspflicht“ pausiert, ABER NICHT BEENDET!

– Die benannten Schlichter und eine Schlichtungskommission verhandelten

– Viele Betroffene (der Großteil davon Eltern) richten ihre Wut über den Ausstand leider an die falsche Stelle, nämlich an die Streikenden. Besser wäre es, sie hätten sich solidarisiert und den Druck auf die Arbeitgeber erhöht. In einigen Städten haben clevere Elterngruppen ihre Kinder in die Rathäuser und Kreishäuser gebracht und vor Ort eine „Ersatz-KiTa“ gebildet, bis es den Bürgermeistern und Landräten (Obacht: die Ironie!) zu laut und nicht mehr kontrollierbar wurde. Dass die Menschen in den Berufen das JEDEN Tag haben, scheint ihnen aber nicht aufgegangen zu sein.

23. Juni 2015

– Die Schlichter und die Kommission trugen ihr Ergebnis vor.

– Nach 4 Wochen ohne Beratungsstellen, Jugendamt, KiTas, Behindertenhilfe, Hilfen für Abhängige und Jugendzentren hieß das Angebot zusammengefasst folgendes:

– Die Leitungen im Erziehungsdienst (Bereich Kita & Co.) bekommen mehr als sie ohnehin schon bekommen. Man muss dazu klar sagen, dass die eigentliche Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen NICHT die Leitungen übernehmen, sondern die Mitarbeiter. Die, die also tatsächlich „an der Front“ sind, wurden nur ganz minimal aufgewertet, aber unter der Voraussetzung, dass sie dann noch an Weiterbildung teilnehmen. (Die sie dann privat Bezahlen müssen, da die Kassen für Fortbildungen überall leer sind)

– Sozialarbeiter bekommen mehr, wenn sie bereits seit 17 Jahren im Dienst sind und somit die letzte Besoldungsstufe erreicht haben. Dann bekommen sie 80 Euro mehr. Ebenfalls brutto. 80 Euro mehr nach Siebzehn Jahren. Das ist und bleibt auch in der Nachbetrachtung einfach unglaublich unverschämt!

– Die Verdi lehnt den Schlichterspruch ab – es kommt aber zum Bruch innerhalb der Gewerkschaft. Viele Streikende fühlen sich verschaukelt. So war es doch die Gewerkschaft die zur Kampfbereitschaft aufgerufen hatte, die Beschäftigten „heiß“ machte für einen echten Kampf um Aufwertung. Und plötzlich scheint die Gewerkschaft selber überrascht zu sein, dass man sich nicht mit weniger als nix zufrieden geben lassen will.

– Frank Bsirske muss sich dem Druck der Deligierten-Versammlung stellen und zurecht erhält er klare Worte der Streikenden, die 4 Wochen auf ihre Gehalt verzichtet haben – und zwar nicht um mit so einem Kasperle-Theater abgespeist zu werden

– Es kommt zu der Mitgliederbefragung

Juni – 08.08.2015

– Verdi befragt seine Mitglieder – die Basis, also die die gestreikt haben, auf der Straße waren und sich stark gemacht haben, ob sie das „Angebot“ annehmen wollen oder nicht.

– Am 08. August liegt das Ergebnis vor: knapp 70 Prozent der Verdi-Mitglieder des Sozial und Erziehungsdienstes lehnen das „Angebot“ ab. Somit ist eine neue Verhandlungsrunde eröffnet. Bewegt sich der Verband der kommunalen Arbeitgeber nach wie vor nicht in Richtung eines akzeptablen (!) Angebots für alle (!) Berufsgruppen, kann der Streik wieder aufgenommen werden

10.08.2015

– Verdi teilt mit, dass die Streiks auf Rücksicht auf die Sommerferien erst ab Mitte September beginnen sollen, sollte es zuvor keine Einigung geben.

– Dies ist (unter anderem) dem Umstand geschuldet, dass auch soziale Dienste wie Jugendzentren etc. Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche organisieren, die auf keinen Fall platzen sollen

Und nun?

Anders als bei der ersten Streikwelle ist nun also absehbar ab wann genau der Streik beginnen könnte.

Wer in irgendeiner Weise davon betroffen sein sollte, hat nun also Zeit sich über einen Monat vorher zu organisierten.

Mein Wort richtet sich nochmal an die größte Gruppe, die Eltern: Bitte organisiert euch schon JETZT für die Zeit am Mitte September. Fragt Nachbarn oder wechselt euch als Eltern mit der Betreuung kleinerer Gruppen von Kindern ab, sodass nicht jeder einzelne jeden Tag frei nehmen muss, sondern immer nur einer. (Rotationsprinzip)

– Bitte stöhnt nicht von vorne herein sondern bedenkt, dass auch die Streikenden sehr oft schauen müssen wo sie ihre Kinder in der Zeit lassen. Auch sie sind Eltern und stehen vor dem gleichen Problem. Solidarisiert Euch bitte, damit der Streik ein schnelles und gutes Ende für alle nimmt, und die Arbeit der Menschen, die Euch und oder Eure Kinder betreuen auch dementsprechend wertgeschätzt und entlohnt wird!

– Und wenn ihr wütend seid: Zeigt den verdammt sturen Arbeitgebern, die glauben, dass Kinderbetreuung nix anderes ist als Bauklötzchen bauen und Bilder ausmalen, dass es ein Beruf mit hoher Verantwortung für eure Kinder ist und nicht nur für eures allein, sondern häufig für Gruppen mit bis zu 30 Kindern, die sie gleichzeitig betreuen müssen. Sagt ihnen, dass diese Menschen es verdient haben, nach den ständig gewachsenen Anforderungen von Inklusion und Integration, dementsprechend bezahlt zu werden!

tl;dr: Der Streik war nie beendet, sondern ausgesetzt. Werden sich die Arbeitgeber nicht bewegen gibt er erneut Streiks. Eltern, ihr wisst diesmal früh genug Bescheid um Euch clever zu organisieren.

 

                     

Ihr „Bürger“ seid nicht „besorgt“. Ihr seid braunes Pack.

Einer meiner allerersten Klienten kam vor 20 Jahren nach aus Marokko nach Deutschland. Der erste Versuch schlug fehl, am Hafen wartete bereits die Polizei. Sein Rücken ist übersät mit Narben von der Folter der Polizisten, die ihn wegen Landesflucht „verhörten“, darunter viele Brandnarben von Zigaretten, die man auf seinem Körper ausdrückte.
Er und ein kleines Mädchen, das er auf seinen Schultern hatte, überlebten das Schlepperboot nach Europa. Alle anderen, die auf dem Boot waren, ertranken als es kenterte.
Bis heute kann er die Bilder, der Menschen in dem Wasser um ihn herum nicht vergessen, die in aller Panik von allen seiten nach seinem Körper griffen um sich an ihm festzuhalten. Sie konnten nicht schwimmen.

Wer allen ernstes glaubt, dass Menschen so etwas „freiwillig“ auf sich nehmen, im Wissen, dass sie bestialisch gefoltert werden, wenn es nicht gelingt, der hat im Hirn nichts als einen braunen Kackhaufen. Diese Menschen lassen ebenfalls alles zurück. Ihre Familie und Freunde. Einige werden sie niemals wiedersehen. Sie lassen ihre Jobs und ihr zu Hause und alles was sie dort aufgebaut hatten hinter sich. „Heimat“, diesen Begriff gibt es so nur in Deutschland. Es gibt keine adäquaten Übersetzungen. Doch eben dieses Gefühl, dass sich mit einem Ort paart, das alles lassen auch diese Menschen zurück.

Nicht etwas, weil sie „Bock auf ein geiles Leben in Europa – am besten in Deutschland“ haben, sondern weil in ihren Heimatländern Krieg herrscht. Krieg, ein Wort, dass dieses Land so lange und so unfassbar grausam geprägt hat und das aber für so viele so weit weg ist, dass sie es sich in ihren kleinen, verkümmerten, rechts-gesinnten Gehirnen nicht mal mehr vorstellen können. Sie leben in einer Solidargemeinschaft, von der einige selbst ihre monatliches Einkommen kriegen und jammern dann wenn am Ende des Monats das Geld nicht noch für eine Dose Tabak reicht.

Dass es Menschen gibt, die sich schon um Essen oder Wasser geprügelt haben, weil es wegen des (Bürger-)Kriegs so wenig davon gab, kommt ihnen nicht in den Sinn. Dort, genau da, wo die geringste Flüchtlingsquote herrscht (schönen Gruß nach Freital und Co.) reißen sie ihre Mäuler auf und fordern die Asylsuchenden auf, dahin zu gehen wo sie hergekommen sind.

Wo soll das sein? In ein Land, wo die radikal-islamistische IS Frauen vergewaltigt und versklavt, Mädchenhandel betreibt und Ungläubige auf blutigste Art und Weise abschlachtet? Wo sie Angst haben müssen, dass jemand ihre Haustür eintritt und ohne langes überlegen ihre Kinder vor den eigenen Augen erschießt?
Oder dorthin zurück wo die offizielle Polizei Menschen foltert und misshandelt und missbraucht, weil sie es gewagt haben aus dem Land flüchten zu wollen?

Das einzige „Pack“ was es gibt, sind die Deutschen, die mit ihren prall gefüllten Bäuchen, einem Dach über dem Kopf, medizinischer Versorgung und 70 Jahren Frieden glauben, dass ihnen jemand „ihre“ Güter wegnimmt. Oder ihre Frauen anbaggert, oder ihre (zum Teil ja nicht vorhandenen Jobs) macht. Dass Asylsuchende erstmal gar nicht arbeiten dürfen, wissen sie natürlich nicht. Woher auch. Wird wohl auf den AFD/ALFA/NPD/DVU -Parteitreffen wohl auch keiner erzählt haben. Selbst wenn: Wenn ein Asylsuchender, mit vielleicht noch gebrochenen Deutschkenntnissen deinen Job besser machen kann als Du, dann bist Du einfach auch eine nutzlose Wurst. Wie wäre es mal darüber nachzudenken? (Das stellt keine Abwertung gegenüber denen dar, die den Job dann bekommen).
Aber es ist ja alles so viel einfacher, wenn man sich mit mehreren anderen Schwachlatten vor ein Flüchtlingsheim stellt und wie irre irgendwelche Nazi-Parolen schreit. Da fühlt man sich ja mal richtig stark. Man kann es richtig sehen, wie sie sich ereifern über sich selbst. Da sind sie wer! Dann treten sie heraus aus der Masse und brüllen mal was und hauen dabei mit der Faust in die Luft. Sie bekommen fast einen Infarkt weil sie sich so stark fühlen wie nie, in der Gemeinschaft dieser anderen Fremden, vielleicht auch Nachbarn, die man noch nie gesehen oder gegrüßt hat, aber die alle dagegen sind, dass sich was ändert, dass jemand „ihre“ Werte kaputt macht. Zu „Berlin Tag&Nacht“ ein Bier nach dem nächsten kippen ist zwar kein Wert, aber das werden sie wohl niemals erfahren. Ebenso wenig, dass die Namen ihrer Kinder wie Gerome, Justin, Jamila und Starlet, nicht die große Freiheit mit sich bringen, an die sie immer geglaubt hatten, wenn jemand das Wort „Amerika“ sagte. Dass das übrigens gar nicht in Deutschland liegt und die Namen somit ebenso wenig „ihren“ Werten entsprechen wird ebenfalls für immer ein Geheimnis für sie bleiben.

Doch wenn sie da stehen und ihre Parolen brüllen, dann fühlen sie sich allmächtig. Dann kann man den ganzen aufgebauten Frust über sein verkorkstes Leben weiter geben an einen Schwächeren. Nach unten treten. Ja, das fühlt sich gut für sie an. Denn man hat ja sonst nix, und – seien wir ehrlich – man ist ja sonst auch nix außer einem Namen auf dem Klingelschild in der Platte.

Doch dann, ja dann kommen sie alle raus, schwenken die rechten Fähnchen und erleben mal richtig was. Die letzten Jahre gabs ja schon fast nichts mehr zu spüren, außer dieser inneren Leere, wenn wiedermal die Tabakdose leer war.

Muttis finest Tweetselection 07/2015

Etwas verspätet kommen hier meine Lieblinge aus Juli.

https://twitter.com/cptpudding/status/616867985664380928

https://twitter.com/ellebil/status/626992854162931712

Alle weiteren Schätzchen, findet ihr wie immer bei Anne Schuessler!