Der Schlichtunsvorschlag oder auch Scheiße im Hoppelhäschenkostüm

Nach einigen Wochen des Wartens war es dann also soweit. Am Montag, den 22.06.2015 sollte das Ergebnis der Schlichtung im Konflikt zwischen dem VKA und Verdi vorliegen. Worum es dabei genau ging kann man hier noch einmal nachlesen: Der Streik ist tot – lang lebe der Streik

Als Schlichter wurde auf Seite der Arbeitgeber der frühere sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) benannt. Die Seite der Gewerkschaften wurde durch den ehemaligen hannoverschen Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD) vertreten. Das Schlichtungsverfahren unterliegt seinerseits dabei bestimmten Regeln und Fristen. Während der Schlichtungsphase gilt die sogenannte „Friedenspflicht“, die besagt, dass in dieser Zeit nicht gestreikt werden darf, sodass die betroffenen Berufsgruppen seit dem 08.06.2015 wieder ihrer regulären Arbeit nachgingen. 

Schweigen musste sie deswegen nicht. Vielerorts wurden kleinere Aktionen vorbereitet, um der Öffentlichkeit zu symbolisieren, dass der Arbeitskampf noch nicht beendet ist. Ob es sich dabei um das Tragen der Gewerkschaftskleidung in der Freizeit oder einer Versammlung in der Mittagspause handelte; jedwede Aktion musste außerhalb der Arbeitszeit passieren. 

Am Samstag, den 13.06.2015 fanden bundesweit große Kundgebung zur Unterstützung der Forderungen der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst statt. Allein aus NRW kamen knapp 12.000 Menschen zu der Großveranstaltung in Köln um ihre Solidarität auszudrücken. Weitere Veranstaltungen fanden zeitgleich in Nürnberg, Hannover und Dresden statt.

Sowohl Beschäftigte als auch Unterstützer warteten somit mit Spannung auf die Empfehlung der Schlichtungskommission, die neben den oben genannten Hauptschlichtern aus jeweils 8 weiteren Personen sowohl auf Arbeitgeberseite als auch auf Seite der Gewerkschaften bestand. Im Vorfeld waren weder Tendenzen noch der geheime Ort der Schlichtung durchgesickert. Am entscheidenden 22.06.2015 passierte dann aber erst einmal nichts. Die Verhandlungen seien sehr zäh gewesen und hätten lange gedauert, sodass die Bekanntgabe des Schlichterspruches auf den nächsten Tag verlegt werden musste. Gegen 14.00 Uhr am Dienstag, den 23.06.2015 wurde die Schlichtungsempfehlung schließlich veröffentlicht.

Worum ging es nochmal?

Die Gewerkschaft Verdi (sowie die Gewerkschaft GEW und der dbb) forderten eine Aufwertung der Arbeit im Sozial- und Erziehungsdienst und zwar für ALLE dort vertretenden Berufsgruppen. Insgesamt 240.000 Beschäftigte sollten auch finanziell aufgewertet werden. Rund 10% mehr Gehalt war als Verhandlungsbasis angedacht.

Die Medien hatten sich zwischenzeitlich auf das Berufsbild der Erzieher gestürzt und wie ein Pferd mit Scheuklappen hieß es überall nur noch „Kita-Streik“. Die Berufsfelder im SuE sind aber viel weiter gefasst. Studierte Pädagogen, Heilerziehungspfleger, Sozialarbeiter, Heilpädagogen und noch einige mehr waren in den vergangenen Wochen in den Streik getreten und hatten versucht auch ihre Arbeitsfelder in den (medialen) Fokus zu rücken. Es schien fast so, als wollte niemand etwas von diesen Berufsgruppen wissen, solange man ein überfordertes Elternteil mit Kind auf dem Arm einblenden konnte, dass ein mit Hilfe von Mama oder Papa gemaltes Schild mit der Aufschrift „Ich will wieder in die Kita“ umgehängt bekommen hatte. Da bluteten die Zuschauerherzen vor dem heimischen Flimmerkisten und es dauerte nicht lange bis sich ein öffentlicher Druck aufbaute, der den Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich des Erziehungsdienstes entgegentrat. 

Doch Streikrecht ist und bleibt nun mal Grundrecht. Ob es der Öffentlichkeit passt oder nicht. Für die Kolleginnen und Kollegen gibt es keine andere Möglichkeit als die Arbeit niederzulegen, da die Warnstreiks (an 2 Tagen im März und einem im April) die Arbeitgeber nicht interessiert hatten und diese sehenden Auges in Kauf nahmen, dass Eltern ihre Kinder nicht in die Betreuung geben konnten. Das der Ärger und der öffentliche Druck an die ARBEITGEBER hätte weitergegeben müssen und nicht an die, die gezwungen waren aufgrund schlechter Bezahlung die Arbeit niederzulegen, hatten nur wenige verstanden.

Aber eben auch die anderen Beschäftigten, die Arbeit in Werkstätten für Behinderte koordinierten, die bei Schwangerschafts/-Problemen oder –Abbrüchen beraten, der Allgemeine Soziale Dienst, Beratung psychisch kranker Menschen der Pflegekinderdienst, die Jugendämter und Suchtberatungen – all jene die mit Menschen in besonders schwierigen Lebenslagen arbeiteten erhofften sich von dem Schlichterspruch ein annehmbares Ergebnis.

Warum streiken keinen Spaß macht

Streiken wollte zu diesem Zeitpunkt bereits niemand mehr. Denn was es neben den traurigen Kindergesichtern leider nie in die Tagesthemen geschafft hat, war Aufklärung darüber, dass Streikende für die Zeit der Arbeitsniederlegung natürlich kein Gehalt erhalten. Es ist die Gewerkschaft, die sich darum kümmert, dass durch eine finanzielle Unterstützung am Ende des Monats niemand von Brot und Wasser leben muss. Trotzdem hieß es für einige Kolleginnen und Kollegen, insbesondere wenn diese selbst allein-erziehende Elternteile waren, jeden Cent umzudrehen. Die Unterstützung ist nur ein kleiner Teil dessen, was man regulär in seinem Beruf verdient hätte.

Was ebenfalls völlig ausgeblendet wurde, war die Tatsache, dass auch die Streikenden zusehen mussten, wo sie ihre Kinder in der Zeit lassen konnten. Nicht immer war es möglich es Kindern zuzutrauen mit auf eine Streikkundgebung zu fahren und so 200-300 km durch die Lande zu juckeln. Das Betreuungsproblem betraf also auch die Streikenden selbst.

Darüber hinaus mussten einige Kollegen zusätzlich noch gegen ihre Krankenkasse kämpfen (und müssen es zum Teil immer noch). Denn wer im Streik krank wird hat Pech. Die Unterstützung der Gewerkschaft wird durch Unterschrift bei Anwesenheit gesichert. Wer krank ist, kriegt somit für diese Tage gar nichts. Weder Gehalt, noch Streikunterstützung. Die Krankenkasse zahlt nur für die Tage Krankengeld, bei dem eine Krankheit ab dem ersten Tag attestiert ist. Magen verstimmt? Kopfschmerzen? Erkältung? Ab zum Arzt. Die Regelungen die sonst bei dem Arbeitgeber gelten (z.B. Attest/Krankschreibung ab dem dritten Werktag) sind im Streik ausgehebelt. Die Informationen dazu kamen recht schleppend und für einige zu spät. Sie müssen nun ganz auf einige Tage verzichten.

Der Schlichterspruch

Am Nachmittag des 23.06.2015 wurde der Schlichterspruch letztlich veröffentlicht. Zuvor hatte man extra betont, die Verhandlungen seien besonders hart gewesen und hätten deswegen so lange gedauert. In einer Anlage konnte man nun also die Vorschläge der Schlichtungskommission lesen.

Auf sechs DinA4-Seiten stand geschrieben, was die besonders harten Verhandlungen ergeben hatten: Einen Tropfen auf den heißen Stein.

Von den geforderten 10% waren nur noch 2,0 – 4,5% übrig und das für nur einzelne Gruppen. Erzieherinnen und Erzieher wurden höher gestuft, Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger auch. Beide jedoch marginal. Das dicke Plus dieses Schlichtungsvorschlags machten allerdings jene, die bisher bereits gut verdienen. Leitungen und deren ständige Stellvertreter in Kitas und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen. Also jene, die mit der Verwaltung mehr zu tun haben als mit den wirklichen erzieherischen Tätigkeiten, den Betreuungen, den Problemfällen im direkten Kontakt.

Für studierte Kräfte wie Sozialarbeiter und Sozialpädagogen gab es den ganz großen Witz in Tüten. Jene, die jetzt bereits in der letzten Besoldungsstufe der Gruppe S12 und S14 sind, bekommen zusätzlich 80 Euro mehr Bruttolohn, aber nur wenn sie sich in der letzten Stufe der Besoldung befinden. Um in diese Stufe (Stufe 6) zu kommen, muss ein Berufsanfänger zunächst 17 Jahre arbeiten, da die Laufzeiten sich mit höherer Stufe verlängern: Nach einem Jahr Stufe 1 Aufstieg in Stufe 2, nach 3 Jahren in Stufe 2 Aufstieg in Stufe 3, nach 4 Jahren in Stufe 3 Aufstieg in Stufe 4, etc.

17 Jahre um dann 80 Euro mehr zu verdienen. Brutto. Da weiß man gar nicht ob man lachen oder weinen soll. DAS ist das Ergebnis für studierte Fachkräfte, nach 4 Wochen Streik und 2 Wochen besonders harter Verhandlungen?! Jetzt mal im Ernst: Wer glaubt allen Ernstes, dass das eine annehmbare Lösung ist? Welche Arbeitskraft in der freien Wirtschaft würde sich das gefallen lassen? Es geht doch bei dieser Berufsgruppe um genau die Menschen, die mit denen arbeiten, die die schwersten Belastungen haben. Die Kinder aus Familien hohlen, weil diese sie prügeln oder vernachlässigen. Die mit drogenabhängigen und psychisch schwerkranken Menschen arbeiten. Das sind KEINE Leitungskräfte, sondern die Menschen, die jeden Tag an der Front sind.  

Ich möchte erinnern, dass es um eine allgemeine Aufwertung gehen sollte. Diese sollte alle Berufsgruppen betreffen. Einige wurden bisher nach wie vor ausgespart! Andere werden die genannten Stufen erst in mehr als 10 Jahren erreichen, wenn sie zum heutigen Zeitpunkt schon beschäftigt sind. DAS kann kein Ergebnis sein. Das ist eine Unverschämtheit und eine regelrechte Dreistigkeit. So etwas ist nicht mal mehr eine Salami-Taktik (Scheibchenweise vorgehen) sondern, das ist eine Taktik, bei dem die Salami durch den Fleischwolf gedreht wurde und die letzten rausgekratzten Krümel einem als Filet verkauft werden sollen.

Der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske riet dazu den Schlichtungsvorschlag anzunehmen. Die Medien berichteten vorschnell von einem Ende des Konfliktes und das nun endlich alle aufatmen könnten. Dass dieser Vorschlag aber eher ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten ist, für die Herr Bsirske vorher noch großzügig Reden geschwungen hatte, hatte er anscheinend vergessen. Die Abgesandten der einzelnen Landesvertretungen auf der Delegierten-Konferenz in Frankfurt machten dies mehr als deutlich, sodass schnell klar war, dass eine Annahme auf keinen Fall in Frage kommen kann. Denn das Ergebnis wäre wie so oft: Die, die bereits gut verdienen bekämen mehr, und die die wirklich für jeden Cent ackern gehen leer aus. Das musste auch Frank Bsirske einsehen, dem der Unmut der Delegierten ziemlich direkt begegnete. Richtig so.

Was heißt das denn nun?

Man einigte sich nun darauf, dass die Mitglieder befragt werden. In einem Meinungsbild soll nun die Basis Stellung dazu nehmen, was von diesem Vorschlag zu halten ist. Glaubt man den Eindrücken der Delegiertenkonferenz haben die Mitglieder eine ähnliche Haltung wie bereits die Delegierten, die in Frankfurt vor Ort waren und sind nicht länger bereit sich an der Nase herumführen zu lassen. Zur Not muss also weiter gestreikt werden, denn zur Erinnerung: der Streik war zu keinem Zeitpunkt beendet, sondern aufgrund der Schlichtung nur ausgesetzt!

Die Befragung der Mitglieder wird einige Zeit in Anspruch nehmen. In dieser Zeit wird natürlich weiter gearbeitet. Die Verhandlungen wurden bereits am gestrigen Mittwochabend wieder aufgenommen, mit der deutlichen Forderung an die Arbeitgeber einen erneuten Streik verhindern zu können, wenn sie endlich bereit sind verhandelbare Angebote vorzulegen. Dazu müssen die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände endlich Druck machen und vom Bund mehr Geld für die Kommunen einfordern, damit gute Hilfsangebote, Jugendhilfe, Suchthilfe, Erziehungshilfe, Jugendarbeit und Kinder- und Jugendschutz endlich auch angemessen entlohnt wird und somit qualitativ gut bleiben kann.

Sollten die kommunalen Arbeitgeberverbände nicht bereit sein, diesen lange überfälligen Schritt zu gehen, riskieren sie einen erneuten Streik – den eigentlich keine der beiden Seiten möchte.

Es müssen verhandelbare, ernsthafte Angebote her und nicht nur Scheiße im Hoppelhäschenkostüm!  

 

An die Frau vorm Netto…

Hallo Frau vorm Netto,

also jene, die in ihren Kleinwagen mit weit geöffneter Beifahrertür ihre Einkäufe auf die Rückbank räumte, während der Einkaufswagen auf dem Parkplatz daneben stand.

Ich möchte Ihnen gerne sagen, dass Sie, wenn sie schon nicht die Güte besitzen den Einkaufswagen wegzuschieben damit jemand einparken kann und wenn Sie mich, wenn ich mein Auto trotzdem daneben bugsiere, dann noch bezichtigen wollen mich auf einen Behindertenparkplatz gestellt zu haben, mich gefälligst selbst ansprechen sollten, anstatt ihrer Tochter in hörbar lauterem Ton zu sagen, dass einige Menschen anscheinend nicht wissen, wofür Behindertenplätze da sind.

Ach, und wenn Sie ihre Eier dafür gefunden haben, dann erkläre ich Ihnen gerne nochmal, wie Parkplätze mit roten Backsteinen im Boden abgetrennt sind. Und was 2 + 1 ist gerne auch. Vorhin wollten Sie dies irgendwie nicht hören sondern schauten schnell wieder in den Einkaufswagen.

Bitch, I am the Queen of aktive agressivness, so don’t try to come at me with your silly passive agressive shit.

Der Streik ist tot – lang lebe der Streik

In den vergangenen 4 Wochen haben insbesondere Eltern deutschlandweit gelitten. Unter dem so genannten „KiTa-Streik“, der aber kein KiTa-Streik war und ist. Wieso, das kann man hier nachlesen.

„Gelitten“ aber deshalb, weil viele Einrichtungen der Sozial- und Erziehungsdienste aufgrund des Streiks der Bediensteten geschlossen blieben, sodass viele Eltern nicht wussten wohin mit ihren Kindern. Ja, es gab Notgruppen. Viele Kinder fühlten sich dort jedoch nicht wohl und Eltern nahmen sich angesparte Überstunden frei oder mussten auf ihre Urlaubstage zurückgreifen. Ein unaushaltbarer Zustand für viele, die sich ihrem Ärger gerne auch vor jeder Fernsehkamera Luft machten. Auch für Jugendliche sah es düster aus. Jugendzentren blieben geschlossen, Bildungsfahrten, wie z.B. zum Bundestag nach Berlin, mussten ersatzlos abgesagt werden und die Jugendzentren blieben auf den Kosten sitzen. Suchtberatungen blieben geschlossen, Beratungsstellen für psychisch Kranke, Jugendämter, Pflegekinderdienste, Adoptionsvermittlungen, Allgemeine Soziale Dienste, Schwangerschaftskonfliktberatungen – alles zu. 

Und das war wichtig und richtig so

Denn ratet mal was: Genau so sähe es aus, wenn es keine Erzieher/innen, Sozialarbeiter/innen, Pädagogen/innen, Heilpädagogen/innen, Heimleitungen in Tagesstätten oder Werkstätten für Behinderte, Heilerziehungspfleger/innen, Kinder- und Jugendtherapeuten/innen gäbe, weil niemand ihn wegen der schlechten Bezahlung mehr machen will.

Dann erst merkt die Bevölkerung wie wichtig diese Menschen sind, die sich tagtäglich um ihre Kinder, Jugendlichen, Kranken und Hilfebedürftigen kümmern!

Wie bei einem Streik üblich, traf auch uns aus dem Sozial- und Erziehungsdienst die Wut der Betroffenen. „Euch sollte man alle entlassen!“ wurde einer Kollegin an den Kopf geworfen. Wie an einem Stammtisch wetterten Betroffene uns an, ohne dabei zu überlegen, wer eigentlich Adressat ihres Unmuts sein sollte, nämlich die Arbeitgeberverbände. 

Andere Betroffene hatten da mehr Grips. Sie schafften es, sich in Nachbarschaftsgruppen um die Betreuung der Kinder zu kümmern oder machten ihrem Ärger dort Luft, wo er 100% richtig platziert war: In den Führungsetagen der Arbeitgeber. 

Sie nahmen ihre Kinder mit und machten Rathäuser zu KiTas, bis es (und da liegt die feine Ironie) den Bürgermeistern und Landräten zu bunt und zu laut wurde und diese sich an die jeweiligen Vereine Kommunaler Arbeitgeberverbände wanden, den Streik doch bitte schnellstmöglich mit passenden Angeboten zu beenden.

Andere Elternverbände unterstützen die Streikenden und nahmen an den Demos teil, da sie verstanden hatten, dass die Kinderbetreuung, die sie selbst nicht leisten können, mehr ist als Geschichten vorlesen und Papptiere zu basteln. Sie hatten verstanden wie anstrengend es ist sich den ganzen Tag kümmern zu müssen. Die Kolleginnen und Kollegen in den Erziehungseinrichtungen machen das jeden Tag. Und das nicht mit einem, sondern mit bis zu über 10 Kindern pro Erzieher/in.

Für diese legten die Arbeitgeberverbände ein unverschämt lächerliches Angebot vor, dass den Namen kaum verdient. Sie boten an, die Erzieherinnen eine Entgeltstufe höher zu gruppieren (von bislang S6 zu S7) aber nur, wenn diese auch „schwierige fachliche Tätigkeiten“ wie Inklusionsarbeit oder Sprachförderung auszuüben hätten. Die „normale“ Arbeit wäre somit nicht mehr wert.

In Zahlen hieße das, dass die Erzieherinnen und Erzieher in KiTas ganze 40 Euro mehr bekämen und das brutto. Vierzig Euro! Brutto!

Das heißt, dass dies auch noch versteuert werden muss. Zum Teil sind daran auch noch die Forderungen geknüpft, dass sie sich dann noch zu Weiterbildungen in Höhe von 120 Stunden einverstanden erklären müssten. Und nun ratet mal wer die bezahlen soll? Der Arbeitgeber? NEIN! Die wären mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit selbst zu bezahlen. Von 40 Euro, die noch versteuert werden müssen, kann ich nicht mal ordentlich meinen Tank halb voll machen! Und davon sollen dann Weiterbildungen bezahlt werden? DAS IST LÄCHERLICH UND DAS IST UNVERSCHÄMT!

Ähnlich verhält es sich bei den anderen „Angeboten“ für Kinderpfleger/innen und Leitungen von Erziehungseinrichtungen sowie deren Vertretungen.

Und was ist mit den anderen Berufsgruppen?!

NICHTS!

Die Vereinigung Kommunaler Arbeitgeberverbände (wie sie richtig heißt) hat:

KEIN Angebot für Sozialarbeiter/innen

KEIN Angebot für Sozialpädagogen/innen

KEIN Angebot für Heilerziehungspfleger/innen

KEIN Angebot für Kinder- und Jugendtherapeuten/innrn

KEIN Angebot für Heilpädagogen/innen

KEIN Angebot für Leiter/innen in Einrichtungen für Erwachsene

…. gemacht.

Nach 4 Wochen (!) Arbeitsniederlegung und Lohnverzicht der Streikenden, haben sich die Damen und Herren des VKA auf dieses mickrige Angebot für Erzieherinnen und Erzieher, sowie KiTa-Leitungen herabgelassen, dass nicht mehr wert ist als der Pfandbon einer Woche.

Darüber hinaus haben sie KEIN Angebot für die anderen Berufsgruppen vorgelegt. Und als Sahnehäubchen verlangen die Arbeitgeber, man solle ihnen doch bitte entgegenkommen. Wie bitte? Wobei denn? Bei weniger als nichts?

Ist die Arbeit mit Menschen SO WENIG wert? Wie traurig ist das denn bitte? Damit stellen sich die Arbeitgeberverbände selbst ein Armutszeugnis aus. Menschen die mit Abhängigen arbeiten, die psychisch kranken Menschen helfen, die Jugendliche auf Freizeiten begleiten, die Krisen in Familien meistern, die für das Kindeswohl mitverantwortlich sind, die Behinderte betreuen machen genau die Arbeit die sonst niemand macht, weil sie unbequem ist.

Unser Klientel sind jene, von denen sich so mancher beschämt in der Fußgängerzone abwendet. Wir sorgen dafür, dass Jugendliche Beschäftigung haben und sich nicht kriminellen Gruppen anschließen oder Drogen konsumieren. Wir kümmern uns darum, dass es Anlaufstellen für Abhängige gibt, wo sie saubere Spritzen und eine warme Mahlzeit bekommen können, anstatt die feinen Damen und Herren Bürger in der Stadt anzubetteln.

Aber da wir seit heute wieder im Dienst sind, ist ja alles okay, oder? Die Antwort lautet: nein.

Der Streik ist nicht beendet. Er ist nur derzeit ausgesetzt. 

Grund dafür war die Anrufung einer Schlichtung. Sowohl von Arbeitgeberseite als auch von Seite der Gewerkschaften. Während dieser Zeit gilt eine Friedenspflicht, was bedeutet, dass in dieser Zeit nicht gestreikt werden darf. Das ist bewusst von Arbeitgeberseite so gelenkt und gewollt, da der Druck der Streikenden und deren Unterstützern zum Ende letzter Woche zu groß geworden war. Eine Schlichtung war von Verdi von Anfang an kein Ziel, da es den Streik nur hinauszögert da das Ergebnis nicht bindend ist. Im Sinne derer, die nun auch aus dem Streik finanzielle Einbußen in existenzieller Höhe zu bewältigen hatten (denn wer streikt bekommt keinen Lohn und die Streikunterstützung kann nur das Nötigste abfedern)  und auch um den Willen zu einer Einigung zu gelangen zu unterstreichen, wurde zeitgleich von Verdi ebenfalls die Schlichtung angerufen.

So geht es nun weiter

– Bis zum 11.06.2015 müssen die benannten Schlichter zu einer Schlichtungskommission zusammen kommen

– Bis zum 18.06.2015 muss diese Kommission eine Einigungsempfehlung ausarbeiten und den beiden Parteien vorlegen

– Spätestens 3 Werktage später, also bis zum 23.06.2015, sind dann die Verhandlungen über diese Einigungsempfehlung aufzunehmen

Der Vorschlag der Schlichtungskommission ist aber für keine Seite bindend, sodass es bei Scheitern dieser Verhandlungen zu einer Fortführung des Streiks kommen kann.

Wie bereits erklärt, war das Angebot der Arbeitgeberseite nicht mehr als ein schlechter Witz. Sollten sich die Arbeitgeberverbände nicht weiter bewegen wollen, wird es mit Sicherheit zu einer Fortsetzung des Streiks kommen.

Deswegen möchte ich an dieser Stelle an alle von dem Streik Betroffenen aufrufen, sich bereits im Vorfeld zu bemühen, sich um Betreuungen / Begleitungen etc. zu kümmern.

Noch besser und wirkungsvoller wäre es sich in Gruppen zusammen schließen und sich natürlich auch ordentlich zu beschweren und zwar da wo die Beschwerde hingehört: An die Arbeitgeber. 

Das können Bürgermeister, Landräte, Oberbürgermeister oder die Arbeitgeberverbände des jeweiligen Bundeslandes sein. Schreibt einen Brief, malt ein Plakat, schreibt einen Protestsong, macht ein Youtube-Video, egal was ihr macht – sagt, dass ihr (genau wie wir!) die Nase voll habt von der Notwendigkeit zu streiken!

Fordert für die Menschen, die Eure Kinder/Jugendlichen/Kranken/Hilfebedürftigen/ betreuen und begleiten endlich das ein, was sie auch verdienen. Eine Aufwertung ihrer Arbeit. Denn diese Arbeit richtig gut und richtig wichtig!

Und für alle die Fragen woher das Geld kommen soll, dass angeblich nicht da ist, eine kleine Anekdote am Rande: Vor 3 Wochen haben sich die Abgeordneten des Düsseldorfer Landtages selbst die Diäten um 200 Euro auf knapp 11.000 Euro (ELFTAUSEND!) monatlich erhöht. Als Landesbeamte müssen sie diese weitaus niedriger versteuern als jeder normale Arbeitnehmer. [Anmerkung: Diese Info war falsch, und wurde deswegen von mir entfernt. Richtig ist, dass seit 2005 keine steuerlichen Vorteile mehr gelten. Bevor dies so war haben sich die Abgeordneten damals aber vorher die Diäten verdoppelt (!)] Umgerechnet ist das das Netto Gehalt von 5 Erzieher/innen zusammen!!!

Also bitte, liebes Land und liebe Arbeitgeberverbände, versucht nicht uns für dumm zu verkaufen. Das Geld ist da. Also verteilt es endlich gerechter an die Kommunen, sodass die Menschen im Sozial- und Erziehungsdienst für ihre richtig gute Arbeit auch angemessen bezahlt werden! 

  

 

tl;dr: Der Streik ist nur pausiert. Eine Schlichtung soll Vermitteln. Das Ergebnis ist nicht bindend. Der VKA will nur Erzieher um 40 Euro brutto pro Monat aufwerten. Der Rest kriegt nix. Das ist kein Angebot, das ist freche Kackscheiße. Es ist von neuen Streiks nach dem 23.06.2015 auszugehen.

Mutti’s finest Tweetselection 05/2015

Alles Neue macht der Mai? Na, vielleicht. Auf jeden Fall hat der Mai einige gute Tweets hervor gebracht. Hier meine Lieblinge:

In eigener Sache ein kleines Streik-Special (Lokführer, Post, Sozial- und Erziehungsdienst):

Alle weiteren Sammlungen findet ihr natürlich bei Anne Schüssler