Was ist eigentlich Pegida? – ein Text für Kinder

Ich habe mich etwas länger schon mit der Frage beschäftigt, wie Kinder das politische Geschehen in Deutschland wahrnehmen. Erinnere ich mich an meine Kindheit zurück, fällt mir da der Fall der Berliner Mauer ein. Aber worum es so genau ging, habe ich damals als Kind nicht verstanden.
Deswegen habe ich versucht (!) einen Text über die derzeitige Pegida-Bewegung zu schreiben, der auch für Kinder zu verstehen sein soll.
Aus diesem Grubd eine Bitte vorweg: Lest den Text zuerst selbst. Ich kann keine Gewähr auf die Genauigkeit der Erklärungen geben, da ich versucht habe die wichtigsten Dinge zu nennen und nicht alles haarklein zu erklären. Wenn ihr an einer Stelle denkt, dass es völlig falsch ist, dann lasst es mich wissen.
Bitte lest den Text unbedingt mit euren Kindern zusammen! Aufkommende Fragen können dann am besten von Euch beantwortet werden. Ich zähl auf Euch!

Manchmal driftet die Sprache etwas ins kleinkindlich-erklärende Genre ab. Das bitte ich zu entschuldigen. Es dient der Verständlichkeit, da komplexe Zusammenhänge gar nicht so einfach wenig komplex erklärt werden können. Deswegen ist es auch leider so lang geworden. Ich hoffe trotzdem, dass er kindgetecht erklären kann, was da gerade in Deutschland passiert:

>>PeGiDA – was ist das eigentlich?<<

Wenn ihr derzeit mit euren Eltern ab und an mal Nachrichten schaut oder schon gut die Zeitung lesen könnt, dann habt ihr vielleicht auch schon von den „Pegida-Gruppen“ gehört.
Ich würde euch gerne erklären, was das genau ist und wieso im Moment so viele Menschen im Fernsehen und im Radio darüber reden. Dazu muss ich vielleicht erst mal erklären dass nicht alle Menschen auf der Welt so leben wie wir hier in Deutschland. In anderen Ländern auf der Welt, leben die Menschen ein bisschen anders. Die Feiern zum Beispiel kein Weihnachten oder Ostern.

Aber wieso, fragt ihr euch vielleicht? Glauben die denn nicht an den Weihnachtsmann? Nein, mit dem hat das nichts zu tun, sondern mit dem Christuskind. Christus, das war der Sohn den Maria in dem Stall in Bethlehem zur Welt gebracht hat. Das kennt ihr vielleicht aus der Schule – das man da ein Krippenspiel macht, wo genau diese Geschichte erzählt wird. Den Sohn nennt man auch Jesus Christus, den Sohn Gottes. Die meisten Menschen hier in Deutschland glauben daran, dass Gott die Welt und die Tiere und die Menschen erschaffen hat und dass Gott seinen Sohn Jesus auf die Erde geschickt hat um den Menschen zu helfen. Deswegen nennt man die Menschen, die daran glauben Christen – nach dem Namen Jesus Christus.

In anderen Ländern der Welt glauben die Menschen zwar auch an einen Gott, nur heißt er da nicht Gott sondern anders. Ein Name für Gott ist zum Beispiel Allah. Die Menschen, die an Allah und dessen Sohn Mohamed glauben heißen nicht Christen. Diese Menschen nennt man Muslime, weil sie den sogenannten islamischen Glauben leben. Die Geschichte von Allah und Mohamed ist anders als die Geschichte von Gott und seinem Sohn Jesus Christus und so sind auch die Regeln, die in dieser Religion für die Menschen bestimmt wurden anders.
Während Christen zum Beispiel sonntags in die Kirche gehen um dort an einem Gottesdienst teilzunehmen, gehen Muslime immer freitags zum Gebet. Aber ihre Kirche heißt nicht Kirche, sondern Moschee. Dort beten sie anders, als man das von christlichen Gottesdiensten kennt. Weil die Moschee ein ganz heiliger Ort ist, darf man ihn nur sauber betreten. Deswegen ziehen Muslime vor dem Betreten die Schuhe aus, und waschen sich bevor sie beten. Frauen und Männer beten dort in unterschiedlichen Räumen. Das Gebet ist für Muslime ein sehr wichtiger Bestandteil, deswegen darf man auch nicht laut sein, oder jemanden stören der gerade betet. Muslime haben aber nicht nur in der Moschee besondere Regeln, sondern auch im ganz normalen Leben. Ein Beispiel ist, dass es für Muslime nicht gestattet ist Fleisch von Schweinen zu essen. In der muslimischen Religion, also dem Islam, ist das Fleisch von Schweinen nicht rein. In anderen Religionen, dem Judentum zum Beispiel, dürfen die Menschen, die daran glauben auch kein Schweinefleisch essen. Bei Christen ist das beispielweise erlaubt.

Ihr seht also in vielen Religionen gibt es Regeln, die anders sind als das was wir als Regeln vom Christentum kennen. Christen sollen sich natürlich auch an Regeln halten. Diese nennt man Gebote. Da aber selbst die Christen untereinander nochmal in zwei Gruppen (die Katholiken und die Protestanten) aufgeteilt sind, kann man sich vorstellen wie schwer es ist, alle Regeln für alle Religionen zu verstehen.

Viele Menschen glauben, dass die Religion zu der sie angehören, besser ist als alle anderen Religionen auf der Welt. Und deswegen lernen sie über die anderen Religionen auch nichts, sondern hören dann lieber weg oder ignorieren, dass die anderen Menschen ihre Religion auch für ganz wichtig halten.
Aufgrund dieses Problems hat es schon seit es die Menschen und die verschiedenen Religionen gibt ganz oft Streit und Krieg zwischen Ländern und Menschenvölkern gegeben. Viele Menschen auf der Welt sind deswegen gestorben. Und auch heute gibt es sehr viele Kriege und Länder, die deswegen gegeneinander kämpfen. Wir in Deutschland bekommen das nicht so direkt mit. Nur manchmal, wenn man die Nachrichten schaut, erzählen sie im Fernsehen davon. Für viele ist das alles auch ganz weit weg, wie die Länder wo gekämpft wird.

Doch manchmal ist es auch so, dass Menschen, die in einem Land wohnen wo Krieg herrscht, nur ganz schnell weg wollen, weil sie Angst haben, dass ihnen etwas passiert. Sie haben Angst davor, dass jemand von einem anderen Land oder einer andere Religion sie für ihren Glauben bestraft oder sie vielleicht sogar deswegen umbringen will. Dann versuchen diese Menschen zu fliehen, also ganz schnell von dort weg zu kommen. Am besten in ein anderes Land wo es keinen Krieg gibt. Diese Menschen heißen „Flüchtlinge“. Diese Menschen nehmen häufig sehr lange und schwierige Reisen auf sich um von dem Land wegzukommen wo der Krieg ist, auch wenn sie dafür ihr zu Hause und zum Teil auch ihre Familie dafür zurück lassen müssen. Manchmal haben die Menschen nichts anderes mehr als die Anziehsachen, die sie am Körper haben, weil sie alles andere verkaufen mussten um aus dem Land, wo sie von den bösen Menschen die ihre eigene Religion durchsetzen wollen gejagt wurden wegzukommen. Die Menschen kommen dann vielleicht aus Ländern die wir nicht so gut kennen, weil sie so weit weg sind. Syrien zum Beispiel. Oder aus Afrika.

Diese Menschen sehen vielleicht auch ein bisschen anders aus, als die Menschen die hier geboren werden. Vielleicht haben sie eine etwas dunklere Hautfarbe als wir, oder tragen andere Kleidung. Manchmal haben Frauen Kopftücher auf. Aber nicht weil ihnen am Kopf kalt ist, sondern weil das zu ihrer Religion gehört.

Und im Moment gibt es in Deutschland einige Menschen, die hier wohnen, die Angst vor den Menschen haben, die aus Ländern mit der islamischen Religion kommen. Die haben sich zu Gruppen zusammen geschlossen und nennen sich „Pegida“. Das ist aber nur eine Abkürzung für einen sehr langen und schwierigen Begriff. Diese Pregida-Gruppen wollen nicht, dass diese Menschen hierherkommen dürfen, auch nicht, wenn in dem Land wo sie eigentlich zu Hause sind ganz viel Krieg und Tod ist. Diese Menschen glauben nämlich, dass die Flüchtlinge nur hierherkommen weil man in Deutschland gut leben kann. Wenn man in Deutschland arm ist, dann kann man nämlich Hilfe bekommen. Zum Beispiel Geld, oder Kleidung, Essen oder eine Wohnung. Deutschland kümmert sich also um Menschen, denen es nicht so gut geht wie anderen Menschen. Länder, die das machen nennt man auch einen „Sozialstaat“.

Und weil diese Deutschen Menschen die Menschen aus den anderen Ländern hier nicht haben wollen, treffen sie sich und marschieren gemeinsam durch die Straßen und rufen dann gemeine Dinge über die Ausländer und Flüchtlinge, die ganz oft gar nicht stimmen.

Weil es in Deutschland aber schon einmal eine ganz ganz schlimme Zeit gegeben hat, wo ganz viele Ausländer in Deutschland verjagt und getötet wurden und es dann auch einen schrecklichen Krieg in Deutschland gegeben hat, wollen die meisten Menschen in Deutschland nicht, dass wieder so eine schlimme Zeit kommen kann, wo Menschen wegen ihrer Herkunft oder ihrer Religion schlecht behandelt werden. Denn eigentlich ist Deutschland ein Land wo jeder Mensch frei sein darf. Also, man darf zum Beispiel seine Meinung frei sagen, ohne dass man dafür bestraft wird. Das ist nicht immer so, denn auch das gibt es in anderen Ländern, weswegen viele von dort flüchten müssen. In Deutschland darf auch jeder Mensch die Religion besitzen an die er glaubt.

Das ist in einem wichtigen Buch festgeschrieben, das man das „Grundgesetz“ nennt und an das sich alle halten sollen. Das wurde nach dem schlimmen Krieg in Deutschland eingeführt, damit so etwas Schlimmes niemals wieder passieren kann.
Aber trotzdem gibt es heute diese Gruppen die sich Pegida nennen (Manchmal nehmen sie auch den Anfangsbuchstaben von der Stadt in der sie sich versammeln, wie De-gida für Dresden, oder Kö-gida für Köln). Doch wo auch immer diese Menschen sich treffen, marschieren sie immer mit dem Ziel, dass sie nicht wollen das Muslime nach Deutschland kommen. Und weil in Deutschland durch das Grundgesetz jeder seine Meinung sagen darf, kann man diese Pegidas auch nicht verbieten.

Was man aber machen kann ist selber seine Meinung zu sagen. Nämlich, dass man keine Angst vor Menschen mit einer anderen Religion oder einer anderen Herkunft hat. Dass es einem egal ist welche Hautfarbe jemand hat, sondern dass alle Menschen gleich sind und sie deshalb dann Hilfe bekommen sollen, wenn sie nach Deutschland kommen. Auch davon gibt es derzeit viele Versammlungen. Die sind meist ganz schön groß, weil vielmehr Menschen das glauben was auch das Grundgesetz sagt: Jeder darf seine Religion frei ausüben in Deutschland und jeden Glauben haben, den er mag. Und das heißt auch, dass die Flüchtlinge, die hierher kommen und Hilfe brauchen, diese auch bekommen sollen und keine Angst vor den Pegida-Menschen haben sollen, die zum Teil nicht nur ihre Meinung sagen, sondern diese auch mit Gewalt durchsetzen wollen – gegen die Menschen, die hier eigentlich Schutz und Hilfe suchen. Deswegen versammeln sich auch viel mehr Menschen gegen diese Pegida-Gruppen, weil in Deutschland niemand Angst haben soll, weil er eine andere Heimat oder eine andere Religion hat als wir.

Auch wenn das ein ganz schön kompliziertes Thema ist: Vielleicht hat dir das ein bisschen geholfen zu verstehen warum im Moment überall von „Pegida“ die Rede ist und was es bedeutet.

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Muttis finest Tweetselection 12/2014

Hallöchen.
Hallöchen 2015.
Da war doch noch was? Achja, Dezember war ja neulich. Da hab ich euch natürlich auch noch meine Lieblings-Tweets rausgesucht:

https://twitter.com/posemukel/status/543533189009272833

Besonders schön um die Ecke sind diese hier:

Wie immer findet ihr alle anderen Tweetsammlungen bei Anne Schuessler:
Annes Lieblingstweets