Oh, wie schön ist …

Panama .. LEIPZIG!

Ab und an widerspreche ich allen guten Geistern in meinem Paniker-Kopf und plane eine kleine Reise. Bis zum Antritt dieser ist das auch immer ganz toll, aber wenn ich dann merke, dass man dann tatsächlich 5 Stunden in einer Bahn sitzen muss, möchte ich mir immer gern selber einen Ambos auf den Kopf fallen lassen.

Aber auch dieses Mal habe ich es überlebt und es hat sich außerordentlich gelohnt.
Ich war in dem wunderschönen Leipzig. Vorher sah meine Vorstellung von Leipzig so aus: _________.
Richtig, ich hatte keine.
Als ich ankam wurde ich dann schnell mit vielen Eindrücken vollgestopft. Leipzig hat den (fläcenhmäßig) größten Kopfbahnhof Europas. Dessen wurde ich mir dann auch bewusst als ich mich „oben an der Rolltreppe“ verabredete. HAHAHA. Der Bahnhof hat locker 3 Ebenen, auf denen jeweils mindestens 18 Rolltreppen sind. Voll schön zum Verlaufen, so.
Doch endlich am Treffpunkt angelangt und dann auf den Vorplatz ins freie getreten, macht alleine das Gebäude von außen schon was her. Direkt davor fahren die Tram (Aus dem Englischen laut eines Einheimischen „Träm“) in alle Richtungen. – Sehr praktisch.

Doof nur, wenn die Ziel-Haltestelle wegen Bauarbeiten nicht anfahrbar ist und man somit irgendwo aussteigt, wo alles ist, nur nicht da wo man hinwollte. Gut. Ich hatte eine ortskundige an meiner Seite und gemeinsam haben wir uns mit Google-Maps verlaufen. Das schweißt zusammen. ❤
Mittlerweile wurde es leicht dämmerig und die Gegend wurde auch nicht schöner. Alte Häuse, zum Teil einen Backstein vom Abriss entfernt erstreckten sich in langen Straßen. Auf dem Weg wurde mein erster Eindruck durch eine tote Ratte auf dem Bürgersteig geprägt. Aha, das war also Leipzig.
An der Zieladresse dann angelangt, wurde es eher schlimmer als besser. Es war ein sehr altes, sehr schrammliges Eckhaus in dem sich unten eine Spielothek befand. Gegenüber ein sogar noch schrammeligeres Haus mit einer rausgehängten Fahne sonstwen aus sonstwo zu befreien. Der Bürgersteig gesäumt mit kaputten Bierflaschen. Nee, schön hier. *hüstel*

Schrammelhaus

Ich rief die Dame der Unterkunft an. In einem Anflug geistiger Umnachtung hatte der Sparfuchs in mir gesagt „Ach weißte, für 2 Nächte kannste doch auch in so nem Projekt-Hostel wohnen“ – am Arsch die Kuh, ich bin keine 15 mehr. Nächstes mal Hotel!
Das Hostel befand sich in der ersten Etage eines unfassbar maroden Gebäudes. Der Eingang und Treppenaufgang sahenaus, als wäre der Krieg gerade vorbei.

Drinnen 

Es roch muffig, schimmlig und meine Seele drohte sich gerade nebst den Fußnägeln hochzukrempeln, als ich die erste Etage betrat. Zack, hier alles ordentlich, funktionell aber sauber eingerichtet. Ein Getränke-Kühlschrank bot Hipster-Getränke für 2 Euro „Spende“ an.
Daneben alte Holztüren, die in die Schlafsäle führten. Schlafsäle? Ja, Schlafsäle. Aber nicht so wie man sich das vorstellt. Die Räume an sich waren jeweils entweder durch Rigips- oder Spanplattenwände unterteilt in kleine Wohneinheiten. Wo dies nicht möglich war wurden Rollos zur Herstellung von Privatsphäre benutzt. Das Konzept „abenteuerlich-interessant“ dürfte glaube ich als Beschreibung passen. Wer Camping-Erfahrung hat, dem macht das alles nicht so viel aus. Ich hatte diese und fands eigentlich ganz putzig.Insgesamt können 12 Leute dort pennen. Dann ist das Hostel ausgebucht Ich hatte das so genannte „Alice-Schlafzimmerchen“.

Alice-Zimmer. Man pennt mit dem Kopf zum Raum oder zum Vorhang. Oder man ist nur 1,40 groß dann gehts auch quer.

Gekennzeichnet wurde dies durch ein aufgearbeitetes Holzbett, beidem man mit dem Kopfende entgegen der Einrahmung des Bettes schläft. Die Bettwäsche, das Bett, die Böden, die kleinen Spinde, die Matratze, alles entweder liebevoll aufgearbeitet oder selbstgezimmert oder von Ikea. Aber in jedem Fall: sauber. Sehr sauber!
Ebenso Klo und Dusche. Diese befanden sich auf dem Flur, hinter knatschenden Türen, und gaben funktionell aber ordentlich gestaltete Räume zur gemeinschaftlichen Benutzung frei. Im Bad konnte man sich in mosaikbesetzten Duschkabinen, die nagelneu waren, (wieder) herrichten und ein „Free-Shelf“ versorgte einen mit Dingen, die andere Urlauber bei ihrem Aufenthalt zurückgelassen bzw. gespendet hatten.

Duschen

Super gut, denn ich Idiot hatte meine Zahnpasta mit dem Anti-Hackenblasen-Gel verwechselt und somit keine Zahnpasta am Start. Hätte ich aber auch dort von erwerben können. Kleinere Dinge waren darüber auf dem Regal angerichtet und gegen eine Spende in eine Sammelbox hätte ich es also direkt im Bad kaufen können. Es gab sogar einen ordentlichen Fön, worum ich mit meiner Mähne sehr dankbar war. Nach einer kurzen Einweisung, von jemanden, der sich nur so mäßig auskannte, weil er nicht dort arbeitete, hatte ich aber doch noch ein Schloss erhalten um mein abgetrenntes Arealchen abschließen zu können.

Ein bisschen erschlagen von alledem, ging es danach aber direkt in die Stadt und ALTOBELLI, WIE SCHÖN IST EIGENTLICH LEIPZIG?!?!?! Ich krieg mich ja bis heute nicht mehr ein, wie gut mir die ganze Architektur der Innenstadt gefällt. Vom Augustusplatz, wo man entweder aufs Gewandhaus oder die Oper schaut, rüber auf das abgefahren gestaltete Uni-Gebäude mit der Kirchenfassade,

Uni

rüber durch die Bummelzone, Altes Rathaus, ins Barfußgässchen. Dort reihen sich Restaurants und Bars in eine kleine Gasse, die am Freitag Abend rappelvoll war mit Menschen die sich bei einer Pasta oder einem Glas Wein vergnügten. Ausgelassene Stimmung. Super schön. Auch wir nahmen dort Platz und ich bereute es nicht, denn die Atmosphäre dort war super.

Da ich aber auch ganz schön müde war, ging es also für die erste Nacht in meine Unterkunft. HEILIG SEIEN MEINE OROPAX! Denn diese brauchte man dort unbedingt. Die Straßenbahn/Tram/Träm fuhr nämlich genau unterm Fenster her und im Innenhof war auch gut was los. Die Nacht war, sagen wir es gelinde gesagt: scheiße. Nicht nur wegen der Ungewohnten Schlafumgebung (Nachts Aufwachen mit Panikattacke im Anschlag ist und bleibt eine Nahtoderfahrung) sondern auch die ungewohnte Schlafposition gaben mir und meinem Rücken den Rest. So stand ich dann doch recht früh unter der Dusche, was gut war, weil ich dann nicht mit anderen Leuten auf die Dusche habe warten müssen oder ähnliches.
Halbwegs wieder unter den Lebenden ging es dann ab zu meinem absoluten Highlight auf das ich mich schon seit Wochen gefreut hatte: den Zoo!

Zoo

Juchuu! TAPIRBABY GUCKEN! Ich war ein Quell der Freude.. bis ich ankam. Just an dem Tag war nämlich auch Kidz-Day. Also freier Eintritt für alle bis 14 Jahre. So strömten Familien mit ihren Kindern oder ganze Gruppen beaufsichtigter Kinder an mir vorbei zum Eingang. [Für alle Familien natürlich super gut, und hätte ich Kinder, hätte ich es natürlich auch genutzt!] Für mich an diesem durchwachsenen Morgen war das in dem Moment aber alles sehr nervtötend.
Als wir drin waren begann es dann rechtzeitig zu nieseln und hasteten wir aufgrund von Umbaumaßnahmen geschlagene 40 Minuten bis zur Afrika-Welt wo es das Frühstücksbuffet gab. Bitte beachten: Wenn man am Eingang für den Eintritt seine erste Niere abgibt, muss man dies hier für das Frühstück mit der zweiten bezahlen. Aber mir war das sehr recht. Denn ich hatte schon am Hostel gespart also konnte ich mir das durchaus gönnen und das Marché-Frühstück war es wert. Alle Heißgetränke waren inklusive, es gab auch einen frischgepressten Saft im Preis und man konnte soviel lecker schmackofatziges Zeug in sich reinschaufeln, wie man wollte. Bis 11 halt. Gut, dass wir erst um 10:30 da ankamen war jetzt halt ein bisschen ungünstig, aber wir nutzen es dennoch mehr als genug aus und stopften uns mit den hausgemachten (!) leckereien voll. Von Pancakes über veganen Aufstrich, vom frischen Minztee aus ganzen Stängeln bis Ei im Glas über 7 Sorten Müsli über frischen warmen Couscous und kleinen Blätterteigtaschen mit Schokolade. Es hat sich gelohnt. Und das allerbeste: der Ausblick. Man kann draußen überdacht genau neben dem Afrika-Gehege sitzen und dann latscht circa 5 Meter von einem einfach mal ne Giraffen-Familie vorbei. Unfassbar cool. Jederzeit wieder!

Frühstück with a view

Die nächsten 4 Stunden verbrachten wir im Zoo. Leider ohne einen Blick auf das frisch geborene Tapir-Baby. Denn das, von dem ich dachte, dass es da wäre, war schon zu alt und wurde bereits umgesiedelt, und das was erst 3 Tage zuvor geboren wurde war noch hinter verschlossenen Türen. Aber dafür haben wir ganz viele andere tolle Tiere gesehen, die sich aufgrund des etwas heftigeren Nieselwetters meist in die Innenbereiche verkrochen hatten. Leider haben wir das Aquarium vergessen, aber nach 4 Stunden waren wir einfach auch platt. Außerdem ein guter Grund nochmal wiederzukommen!
Wir fuhren mit der Tram dann in den Südteil der Stadt wo wir mit Kaffee und Kuchen empfangen wurden. Ich hatte es mir nicht nehmen lassen im Zoo-Shop ein Stoff-Faultier zu kaufen, weil es einfach so flauschig ist und präsentierte dies stolz. Am liebsten würde ich es die ganze Zeit um den Hals tragen. Hehe. Aber naja. Man ist ja keine 6 Jahre alt. (Oder, dooooch?) Ich jedenfalls brauchte danach erstmal eine Pause und eine Dusche.

Am Abend gab es in dem Süd-Viertel noch eine Art Straßenfest zum Erhalt der örtlichen Geschäfte, die wegen extremer Baumaßnahmen derzeit mit fiesen Einnahme-Einbußen zu kämpfen hatten. Das haben wir aber sausen lassen und sind stattdessen umhergestreift und schließlich in einem ziemlich coolen Restaurant gelandet. In der „Luise“ gibt es nicht nur unfassbar leckeres Essen zum günstigen Preis (alleine deswegen muss man da nochmal hin), nein, zu dem Restaurant gehört auch eine Katze die ab und zu um die Beine schleicht und sich vom Trubel um sie herum mal so gar nicht aus der Ruhe bringen lässt. Coole Sache, das. Auch ein interessantes Phänomen (vielleicht für alle Single-Damen unter euch): Leipzig platzt vor schönen Männern. Unfassbar. Is‘ aber so. Kann man objektiv so sagen und fiel nicht nur mir auf. Um darüber nachzudenken wieso das so sein könnte war ich allerdings zu müde und machte mich wieder auf in das Hostel.

Die zweite Nacht war etwas besser als die erste, trotz Antifa-Anti-Polizisten-Anti-Alles Mucke aus dem Haus gegenüber bis Nachts um 3, aber ich dennoch froh, dass mein Bett mich nun bald wieder erwartete. Vor dem Frühstück erhielt ich super spontan noch einen kleinen Stadtrundgang, sodass ich auch nun nicht ganz unwissend nach Hause fahren musste.

BVG

Während sich Pärchen am Markt mit lustigen Verrenkungen für den, an diesem morgen stattfindenden Sportscheck-Lauf aufwärmten, saßen wir drinnen und fraßen Croissants vom kleinsten Buffet der Welt. Es war so schön.

Leipzig, ach, Leipzig. Ich komme in jedem Fall wieder. Vielleicht nächstes Mal mit gutem Wetter, ja? Denn ich habe bisher nur einen Bruchteil gesehen und will noch viel mehr sehen und einfach dein Flair genießen.

Bis bald mal, du kleine östliche Perle <3!

Kussi,
die Mutti.

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Muttis finest Tweetselection 08/2014

August.

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